Posts tagged with 'Musikbusiness 2.0'

GEMA nicht auffe Nerven !

  • Posted on Februar 23, 2010 at 9:57 pm

Ein Post vom 25.6.09:

Alle Veranstalter lieben sie, die GEMA. Eigentlich sind die ja da, daß ein Komponist Geld kriegt, wenn sein Song im Radio läuft oder irgendwer seine Stücke covert. Ist ja ein nobles Ziel. Nur leider kann jeder Musiker oder Veranstalter bestätigen, daß die Tarife der GEMA etwas gewöhnungsbedürftig sein. Spielen bei einem Konzert drei GEMA-freie Bands bezahlt der Veranstalter nichts. Covert eine Band dann einen bekannten Song, will die GEMA nichts prozentuales, sondern gleich die volle Summe. Das führt dann dazu, daß man als Veranstalter durchaus gewillt ist, GEMA-freien Bands, das sind die ohne Plattenvertrag, den Vorzug zu geben. Doch jetzt holt die GEMA zum finalen Schlag aus, 600% Steigerung des Tarifes in den nächsten Jahren. Sie wollen 10% der Brutton-Einnahmen, inkl. Sponsorengelder und Merchandise-Verkäufe. Was sage ich dazu ? Sollen sie doch !

Mal ganz ehrlich, was kann denn besseres passieren ? Die Strukturen der ganzen Eintreibe-Maschinerie sind auf dem Stand der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Plattenfirmen verschlafen das digitale Zeitalter und jetzt sollen die Konzertveranstalter bluten ? Das machen sie nicht ! Wer 200 Euro für eine Stones-Karte ausgibt, der zahlt auch 220 Euro. Wer 5 Euro für eine Underground-Band bezahlt, dem ist es egal, ob die in der GEMA sind. Das ist nämlich der Punkt. Wenn GEMA-Mitgliedschaft dann zu einem Wettbewerbsnachteil wird, dann geht da keiner mehr rein. Im Endeffekt ist das sogar positiv, da man als kleine Band eh groß nichts wiederbekommt. Außerdem kann ich dann noch die CD-Preise senken, weil ich darauf ja keine Abgaben habe, ich kann nur nichts mehr covern.

Das soll jetzt nicht heißen, daß ich mich freue, weil die GEMA nichts mehr von den kleinen Konzerten bekommt. Das ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Was mich freut ist, daß dann die Fronten geklärt sind. Man muß sich als Musiker und als Veranstalter keinen Kopf über das alles machen, weil die kleinen Bands eh nicht drin sind. Wenn dann die Labels nachziehen und GEMA-frei veröffentlichen, ist man dieses behäbige Gebilde endlich los. Ich sehe da wirklich nichts schlechtes drin, ich gehe eh nicht zu den Stones.

Das düstere Ende der Popstars

  • Posted on Februar 23, 2010 at 9:56 pm

Ein Post vom 28.5.09:

“Wir alle hören täglich die Schlagzeilen, wieder ist ein ein Popproduzent in seiner Wohnung verhungert aufgefunden worden. Das ist ein weiterer Todesfall, hervorgerufen durch die Krise der Medienindustrie, die seit dem Konkurs von Universal Music über der Branche liegt. Selbst das Einsetzen der Todesstrafe für Raubkopierer in den USA konnte den Absturz der Plattenfirmen bisher nicht stoppen.”

Sehen so die Nachrichten in zehn Jahren aus ? Wenn man der Lobby der Platten-Majors vertrauen darf, wird dies schon viel eher eintreten. Man nagt am Hungertuch und Schuld sind Pirate Bay und Rapidshare. Ich möchte gar nicht wissen, wieviel Geld für Lobbyarbeit verbraten wurde, damit die letzten Änderungen im Urheberrechtsgesetz durchgeboxt werden konnten. Und alles nur weil da jemand einen Dornröschenschlaf geschlafen hat.

Dabei ist es gar nicht schwer. Coldplay haben voriges Jahr die erste Single für eine Woche kostenlos ins Netz gestellt. Die Folge war, daß sie in Deutschland auf Platz 10 der Charts waren, eine Platzierung die sie bis dahin noch nicht erreicht hatten. In Zeiten von Emule und Bittorrent haben sie in neun Jahren ca. 45 Mio. Alben weltweit verkauft. Pink Floyd haben in Zeiten, wo man noch umständlich auf Kassette kopieren mußte, bisher ca. 200 Mio. Alben verkauft. Coldplay sind also bei Verkäufen pro Jahr etwas besser. Allerdings verkauft sich “The Wall” pro Jahr wohl noch so 1 Mio. mal, also wird sich das wohl ändern, wenn Coldplay mal kein aktuelles Material am Start hat. Allerdings stellt sich da die Frage, wer den heute noch Pink Floyd Alben kauft, ham die kein Internet ?

Ein weiteres Beispiel ist das Album “Ghosts I–IV” von Nine Inch Nails. Dieses gab es in einer kostenlosen 9-Track-Version und in einer kostenpflichtigen 36-Song-Version als Download. Durch eine intelligente Vermarktung der physikalischen CDs war das Album kommerziell sehr erfolgreich, obwohl die 36-Song-Version sehr schnell im Netz auftauchte und das Album stilistisch recht experimentell war. Somit wurde das Nachfolgealbum gleich von Anfang an frei unter einer Creative-Common-Lizenz ins Netz gestellt.

Hier haben ein absoluter Top-Seller und ein Indipendent-Held zum Sammeln geblasen und hatten mehr Erfolg damit als so mancher Zurückgebliebener, der dem analogen Zeitalter hinterherheult. Wie sieht es aber bei kleinen Bands aus ? Das läßt sich ganz einfach mit einem Blick in Live-Clubs beantworten. War es vor zehn Jahren noch nicht so ganz einfach mit nicht-lokalen Underground-Bands Konzerte zu veranstalten, ohne gleich massiv Nasse zu machen, sind die Clubs heute vergleichsweise gut gefüllt. Aber was hat das mit Downloads zu tun ?

Wenn ich lese, daß irgendwo eine Band spielt, dann sauge ich mir halt einfach das Album. Gefällt es mir nicht, gehe ich nicht hin. Aber die meisten gehen eh nicht auf blauen Dunst weg. Aber wenn das Album gefällt, dann kenn ich das Material beim Konzert schon und bin viel positiver eingestellt. Dann nehme ich mir nicht nur das Album, sondern gleich noch ein Shirt mit. Daß Downloads dazu führen, daß die Leute für Musik insgesamt weniger ausgeben, bezweifle ich. Es fließt insgesamt nur mehr in kleine Band und in Merchandise, einfach aus dem Grund, weil Filesharing für eine kleine Band unbezahlbare Werbung darstellt. Es wird viel mehr Geld für Konzerte ausgegeben, wovon die Bands deutlich mehr haben. Auch wissen viele, daß eine Band mehr verdient, wenn man die CD bei ihr kauft. Deshalb laden sich Leute das Album erstmal runter, um später bei einem Konzert die gesamte Diskographie mitzunehmen. Ein Nachteil hat es natürlich, es ist ungleich schwerer irgendwelchen hohlen Schrott unter die Massen zu bringen. So wie das Niveau bei den Major-Produktionen sinkt, so steigt es dankt Myspace und last.fm bei den Indies und Eigenproduktionen. Dank der digitalen Möglichkeiten muß niemand mehr die überteuerten Preise in angeblich professionellen Studios bezahlen. Mittlerweile sind Know How und gute Ohren wichtiger als teure Technik und beides kann auch ein Amateur haben. Das fördert auch den Platz für Innovation, etwas was die Majors auch verpaßt haben, auch wenn sie es gaaanz langsam mitbekommen.

Es ist also nicht so, daß Filesharing böse ist, weil es die Majors und Politiker behaupten. Es ist böse für die Leute die keine Ideen haben und sich auf ihren Lorbeeren ausruhen und weiter in Ruhe Millionen scheffeln wollen. Die Cleveren treiben damit ihre Gewinne nach oben, sei es nun die Garagenband um die Ecke, Bands vom Soulseek-Label oder Giganten wie Coldplay.

Doch eins ist für mich das größte pro. Wie viele Platten sind verschollen, weil es keine Nachpressungen gab und alle Kopien auf dem Müll gelandet oder einfach durch Abnutzung zerstört wurden ? Gerade bei unbekannten Bands wird die Dunkelziffer sehr hoch sein. Aber dank Emule & Co. ist diese Gefahr halbwegs gebannt. Bei einer so hohen Verbreitung wird hoffentlich nichts mehr so einfach verschwinden. Ich erinnere in dieser Hinsicht nur an ein paar geldgierige Hollywood-Firmen, die alte Filmrollen nahmen und wegen den Rohstoffen im zweiten Weltkrieg an die Rüstung verkauften. Dadurch sind viele der abendfüllenden Filme aus den 20er Jahren einfach für immer verloren. So etwas passiert nun hoffentlich nicht mehr, denn nur kann Kunst über Kommerz triumphieren, auch wenn nicht immer alles kostenlos angebotene gleich Kunst sein muß. Manchmal ist es einfach nur so schlecht, daß es keiner kaufen will.

Top