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Das GEMA-Youtube-Paradoxon

  • Posted on August 7, 2012 at 10:16 am

Letztens stolperte ich über einen Artikel, in dem sich der Schreiberling furchtbar drüber aufregte, daß YouTube immer schreibt, daß die GEMA nicht die Rechte einräumt, das Video zu zeigen und daß das doch einfach nur billige Hetze ist, die davon ablenken soll, daß YouTube der eigentlich Schuldige ist. Das hat mich dazu gebracht mal nachzudenken, warum sich die GEMA weigert, mit YouTube zusammenzuarbeiten. Die GEMA ist ja eigentlich nicht allzu störrisch und man kann mit ihr über Sonderkonditionen verhandeln, sobald man groß genug ist. Auch wenn diese Größe bei der GEMA wirklich groß ist, sollte sie ein Konzern wie Google, die Mutter von YouTube, spielend erreichen. Wo klemmt es also ?

Fangen wir mal an auszurechnen, was man mittels Werbung bei YouTube verdienen kann. Das ist relativ schnell recherchiert. Zum Beispiel kann man einen Film produzieren und hochladen. Dann schaltet man da Werbung und kassiert. Ich habe einige Beiträge zu dem Thema gefunden und scheinbar kann man davon ausgehen, daß die Einnahmen in der Regel oberhalb von 1€ pro 1.000 Views sein werden. Wer sich im Bereich der Internetwerbung etwas auskennt weiß, daß diese Untergrenze durchaus realistisch und eher zu niedrig ist. Für die folgenden Berechnungen reicht die Zahl aber gut aus. Für YouTube würde es sicher kein Problem sein, im Rahmen dieses normalen Geschäftsmodell entsprechende Vergütungen zu zahlen.

Wir nehmen jetzt mal eine beliebige Band, die aber nicht allzu bekannt sein sollte. Eine extreme Death-Metal-Band kommt da gerade richtig. Wegen der deutschen Blockade nehme ich da am besten eine amerikanische. Die Band Cannibal Corpse zum Beispiel hat einige Musikvideos auf YouTube, davon konnte ich drei in Deutschland aufrufen. Ein Video hatte 12. Mio. Views, eins 2 Mio. und ein 1 Mio. Dazu kommen noch unzählige Live-Videos unterschiedlicher Qualität mit fünf- oder sechsstelliger Viewzahl. Außerdem noch viele, in Deutschland zumeist nicht abrufbare, Videos einzelner Songs mit dem Cover des Albums oder einem Bandfoto. Die meisten kennen so etwas sicher. Wir reden hier also insgesamt von einer stattlichen Anzahl von Views im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Wenn ich die vergleichsweise ordentliche  Größe des deutschen Metal-Bereichs in Betracht zieht, werden wohl gut 10% aller Views aus Deutschland kommen, wahrscheinlich noch viel mehr. Insgesamt sind es also ein paar Tausend Euro GEMA-Einnahmen für Cannibal Corpse, von denen wir hier reden. Das für eine Band, die von der Mehrheit der Metal-Fans als stupides Geknüppel und Gegrunze wahrgenommen wird.

Schaut man jetzt nur etwas weiter in Richtung der gemäßigteren Metal-Bands ist man schnell in einem Bereich, wo wir über 30.000€ GEMA-Einnahmen und mehr reden. Das ist dann auch der Knackpunkt. Ab diesem Betrag kann man ordentliches GEMA-Mitglied mit Stimmrecht werden, wie man letztens lesen konnte. Würde es also eine Einigung der GEMA mit YouTube geben, hätten plötzlich viele Künstler die Möglichkeit, in der GEMA gestalterisch mitzuwirken. Das betrifft natürlich nicht nur den Metal-Bereich, sondern auch viele andere Sparten wie Indie Rock, Elektro, Gothic usw. usf. Das sind Künstler, die beim jetzigen Abrechnungsverfahren immer den Kürzeren ziehen, da größtenteils nur Mainstreammedien für den Verteilungsschlüssel berücksichtigt werden. Es wäre also für die derzeitigen GEMA-Größen durchaus von Nachteil, wenn es zu einer Einigung käme. Langfristig würde die Mainstream-Industrie Einfluß und damit Geld verlieren. Dieser Verlust aber wäre aber eben vielleicht deutlich höher als die Einnahmen, die man durch YouTube erzielen könnte. Wenn einige schlaue Köpfe bei Universal, Warner, EMI und BMG das genauso sehen, wird plötzlich alles klar, denn auch die großen Plattenfirmen kassieren über ihre angegliederten Verlage bei der GEMA kräftig mit.

GEMA nicht auffe Nerven !

  • Posted on Februar 23, 2010 at 9:57 pm

Ein Post vom 25.6.09:

Alle Veranstalter lieben sie, die GEMA. Eigentlich sind die ja da, daß ein Komponist Geld kriegt, wenn sein Song im Radio läuft oder irgendwer seine Stücke covert. Ist ja ein nobles Ziel. Nur leider kann jeder Musiker oder Veranstalter bestätigen, daß die Tarife der GEMA etwas gewöhnungsbedürftig sein. Spielen bei einem Konzert drei GEMA-freie Bands bezahlt der Veranstalter nichts. Covert eine Band dann einen bekannten Song, will die GEMA nichts prozentuales, sondern gleich die volle Summe. Das führt dann dazu, daß man als Veranstalter durchaus gewillt ist, GEMA-freien Bands, das sind die ohne Plattenvertrag, den Vorzug zu geben. Doch jetzt holt die GEMA zum finalen Schlag aus, 600% Steigerung des Tarifes in den nächsten Jahren. Sie wollen 10% der Brutton-Einnahmen, inkl. Sponsorengelder und Merchandise-Verkäufe. Was sage ich dazu ? Sollen sie doch !

Mal ganz ehrlich, was kann denn besseres passieren ? Die Strukturen der ganzen Eintreibe-Maschinerie sind auf dem Stand der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Plattenfirmen verschlafen das digitale Zeitalter und jetzt sollen die Konzertveranstalter bluten ? Das machen sie nicht ! Wer 200 Euro für eine Stones-Karte ausgibt, der zahlt auch 220 Euro. Wer 5 Euro für eine Underground-Band bezahlt, dem ist es egal, ob die in der GEMA sind. Das ist nämlich der Punkt. Wenn GEMA-Mitgliedschaft dann zu einem Wettbewerbsnachteil wird, dann geht da keiner mehr rein. Im Endeffekt ist das sogar positiv, da man als kleine Band eh groß nichts wiederbekommt. Außerdem kann ich dann noch die CD-Preise senken, weil ich darauf ja keine Abgaben habe, ich kann nur nichts mehr covern.

Das soll jetzt nicht heißen, daß ich mich freue, weil die GEMA nichts mehr von den kleinen Konzerten bekommt. Das ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Was mich freut ist, daß dann die Fronten geklärt sind. Man muß sich als Musiker und als Veranstalter keinen Kopf über das alles machen, weil die kleinen Bands eh nicht drin sind. Wenn dann die Labels nachziehen und GEMA-frei veröffentlichen, ist man dieses behäbige Gebilde endlich los. Ich sehe da wirklich nichts schlechtes drin, ich gehe eh nicht zu den Stones.

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