Die egoistischen Mahnungen der gestrig denkenden Musikschaffenden

  • 11 Mai 2012

Ich weiß gar nicht, warum sich so viele “Künstler” drüber aufregen, daß das Urheberrecht reformiert werden soll. Tatsache ist doch, daß grade die Musikindustrie das Internet verschlafen hat und nun versucht, ein Geschäftsmodell zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Es ist grade so, als ob die Handwerkskammer versucht, das Heimwerken zu verbieten. Das ist genau dasselbe. Früher war halt alles einfacher, da gabs keine Raubkopiererei, oder ? Moment, was ist den mit der Tape-Trading-Szene ? Das ist genau der Punkt, schon früher wurde alles kopiert. Wir haben uns abgesprochen, wer was kauft und dann ging die Kopiererei los, zuerst mit Tapes, dann mit CD-Rs. Unsere Eltern haben das mit Magnetbändern gemacht. Schon als diese erfunden wurden, wurde die Musikindustrie totgesagt. Aber plötzlich ist sie zu ungeahnten Höhenflügen aufgeschwungen.

Jetzt könnte man sagen, daß man ja trotzdem ein Original haben mußte, um Kopieren zu können. Aber mal ehrlich, ob die eine Nase da den Kohl fett gemacht hat ? Im Endeffekt haben doch da schon die Leute die Platten gekauft, die auch heute noch die CDs kaufen, einfach weil sie das Zeug haben wollen, auch dann wenn es der Kumpel schon hat. Ich selbst habe einige Alben doppelt, weil ich zuerst die Platte hatte und auf der CD Bonustracks drauf waren (das war früher so) oder aber weil das Cover auf der Platte cooler, weil größer, aussieht und ich das Ding für drei Euro aufm Flohmarkt hab liegen sehen. Das dritte Napalm Death Album hab ich sogar dreimal, weil ichs zuerst als Kassette gekauft hatte, dann als CD und dann als Platte mit Bonus-Single. Ich bin da wohl ein Extremfall, aber nicht der einzige der ein Album kauft, nur um es hören zu können. Man kauft ein Album, um es zu HABEN.

Nun sind die Verkäufe aber zurückgegangen. Da sehe ich drei Gründe. Zum einen sind die Preise mittlerweile deutlich gestiegen. Mittlerweile kostet die CD in Euro mehr als vor 20 Jahren die Platte in Mark. Das ist garantiert nicht inflationsbedingt, denn dann wäre der Faktor etwa 1,4 und nicht 2. Man kann natürlich argumentieren, daß alles teurer wird und die Qualität besser und so. Außerdem sind ältere Platten jetzt im Verhältnis auch deutlich billiger. Aber die Preise für mp3s sind eine Frechheit. Das ein mp3-Album genauso viel kosten soll wie eine CD kann mir keiner erklären, das ist Unsinn.

Daher kommen wir zum zweiten Grund. Wer will denn den ganzen Charts-Mist kaufen ? Während bei Motown nur der Stil gleich war, sind die einzelnen “Künstler” mittlerweile gar nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Da ist doch klar, daß das keiner kaufen will. Herbert Grönemeyer hingegen schafft trotzdem immer noch locker Platin. 2003 wurden zwar die Bedingungen herabgesetzt, aber da war Filesharing noch lange nicht so ein großflächiges Problem wie heute. Rapidshare gabs da noch nicht und man mußte noch mit Kazaa oder eDonkey herunterladen, was aufgrund der schlechten Suche auch nicht im größeren Stil ging, wenn man es mit heute vergleicht, wo ich mit JDownloader und ein paar Blogs Terabyte Daten in kurzer Zeit saugen könnte.

Der dritte Grund ist die Dezentralisierung. Merchandise ist immer mehr gefragt und es werden auch vermehrt CDs von kleinen Bands ohne Label gekauft. Das fällt natürlich auch aus der Statistik raus. Man kann heutzutage relativ einfach gut produzierte Scheiben rausbringen, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. Das machen auch viele, grade weil die Bands ihre CDs bei Konzerten für wenig Geld anbieten. Dazu kommen Seiten wie Bandcamp. Ich glaube, die wirklichen Verlierer sind nur die großen Firmen.

Da sind wir dann beim Punkt. Es regen sich nur die großen auf. Die kleinen machen bei den Piraten mit. Das eigentliche Problem ist, daß kleine Labels und Bands schnell begriffen haben, wie sie ihre Einkünfte steigern können, wenn es ihnen nicht vielleicht nicht sowieso nur um eine möglichst große Reichweite geht. Die Verlierer sind die, die sowieso genug haben und womöglich noch Schott abliefern. Man sollte einfach diese natürliche Selektion (auch genannt Kapitalismus) weiter unterstützen. Eine umfassende GEMA-Reform wäre da nützlich. Moderne Technik könnte man auch gut einsetzen. Wenn die GEMA endlich mal schalten würde, hätten sie auch von Youtube zusätzliche Einnahmen. Die könnten sie auch direkt mittels automatischen Mechanismen den Bands zuordnen, die direkt entlohnt werden. So würde das viel mehr Sinn machen.

Im Endeffekt machen doch viele Bands schon vor, wie man das Internet nutzt. Stört Coldplay etwa das Filesharing ? Nö, die nutzen es. Sogar Lars Ulrich denkt da jetzt um. Nur die verstaubten Hirne im den Chefetagen kommen nicht klar. Dann haben sie aber Pech. Irgendwann wird aus den jetzigen Anfangsstadium eine neuartige Musikindustrie erwachsen, die die konventionell denkenden Firmen einfach überrollt. Und die werden dann wohl mehr Umsatz machen, als wir es uns jetzt vorstellen können. Die Computerspiele-Industrie macht es vor. Kleine, innovative Software-Buden machen ordentlich Kohle und überrollen verkrustete Strukturen. So ist es nunmal, genau das ist Kapitalismus.

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