Lommel auf dem Keep It True

  • 11 Mai 2010

Angefangen hat das Ganze auf dem Doom Shall Rise VI, als ich von einem gewissen, mir bekannten Doom-Musiker erfuhr, dass Anacrusis nächstes Jahr (also bezüglich des Jetztes der Texterstellung natürlich dieses Jahr, weil die Informationsgewinnung natürlich aus dieses Perspektive letztes Jahr war, was nur allzu logisch erscheint, denn dieses Jahr was ja das DSR VII) beim Keep It True spielen sollten. Das war für mich natürlich die Sensation des Jahrhunderts, schließlich warte ich seit vielen Jahren auf eine Reunion, da ich bei ihrer Death-Tour noch einige Monate vor dem Führerschein war und sie dadurch noch nie gesehen hatte. Wieder zu hause las ich dann noch die Namen Hades und Watchtower und war im siebenten Himmel.

Es verging ein Jahr des Wartens. Natürlich hab ich mich im Vorfeld nicht rechtzeitig um eine Karte gekümmert, so dass ich statt 40 Euro glatte 80 Eier berappen musste. Aber was tut man nicht alle für seine Helden. Schließlich sind Anacrusis und speziell Kenn Nardi DER musikalische Einfluss für mich schlechthin. Mit dem angepeilten Hotel war es genauso Essig, aber zum Glück wohnt mein holder Herr Gitarrist nur 150 km vom Austragungsort weg. Also war der Plan, je nach Situation und Zustand entweder im Auto zu pennen oder aber die 150 km hin und her zu fahren.

Zuerst kam mir da aber ein Vulkan in die Quere. Mich interessierten die oben genannten Bands und der Headliner Candlemass. Alle vier Bands kamen mit dem Flieger und da auf Island der Vulkan mit dem schönen Namen §%&*#+:.-#+Ö?%&/%&&(+äÖ:ÖÜ&54/&%=)”! ausgebrochen war, stand nun alle in den Sternen. Plötzlich gab es im KIT-Gästebuch Karten für 20 Euro, Juhu ! Während ich überlegte, ob ich meine Karte einfach an irgend wen verschenken sollte, fieberte ich im KIT-Forum mit, welche Bands denn nun kamen. Hades fielen krankheitsbedingt aus und leider klappte es mit Non-Fiction als Ersatz nicht. Doch die hatte ich schon mal gesehen, die Hauptsache war, dass Anacrusis kommen. Und es wurde knapp, knapper, am knappsten. Schließlich ging ihr Flug als einer der ersten von US Airways überhaupt und der Jubel war groß. Doch Candlemass sagten ab, weil … ach lassen wir das, es ist zu peinlich. Nun fehlten noch Watchtower. Aber die kamen … ohne Sänger. Die Gesangsaushilfe Alan Tecchio hing fest, weil er nen anderen Flug hatte. Und der wurde abgesagt. Erst am Abend vorher las ich, dass er dann doch mittels eines recht teuren Tickets eingeflogen werden konnte. Ich fuhr also los.

Ich kam dann natürlich auch irgendwann an. Die Nacht vorher waren es Temperaturen um den Nullpunkt gewesen und daher hatte ich das mit dem Schlafen im Auto abgehakt. Ich bin auch so schon oft genug beim Physiotherapeuten. Man wird halt alt. Ergo wollte ich also je nach Gefallen des Headliners mehr oder weniger früh losfahren, in Meiningen schlafen und den nächsten Früh oder Mittag wieder in Königshofen aufschlagen. Doch es kam anders. Schon als ankam fragte ich mich, ob das wirklich der Platz ist, wo ich mich wohl fühle. Als ich diese gigantische Menge von deutschen Einheitsmetallern sah, die alle mit Bier, Kutte und Omen-Shirt über den Platz steuerten, kam ich doch ins grübeln. Nix gegen Bier, nix gegen Kutten und auch nichts gegen Omen, aber Karneval war doch schon vorbei. Dieser ganze namenlose, gleich uniformierte Metal-Mob, der sich nur durch die getragenen Shirts in ein paar größere Gruppen teilen lässt und ansonsten eine homogene Masse bildet, kommt mir mittlerweile enorm suspekt vor. Bei Deathmetallern ist das ja schon schlimm, aber True Metaller sind deutlich konformer. Also entweder ich bin zu alt oder ich trinke zu wenig Bier. Auf jeden Fall merkte ich sehr schnell, dass ich keinen Bezug zu dieser Szene habe. Ich höre zwar die Musik, bin aber auf keinen Fall “Metal”. Vielleicht bin ich eher “Rock” oder “Plaste”, aber die metallischen Jahre liegen hinter mir, wie meine wackentechnische Abwesenheit seit einigen Jahren vermuten läßt. Hier schrie mir die Realität wie eine vor dem Gesicht platzende Wasserbombe in dasselbige: Du Bist UNTRUE !!! Yeah !!!

Aber ich war ja wegen der Musik da. Also ging ich erstmal rein. Im Vorbeigehen hab ich mich erstmal mit Anacrusis-Merch-Artikeln eingedeckt und bin dann nach einem gekonnten Schlenker am Bratwurst-Stand vorbei zum Bierstand gewatschelt, wo mich eine Schlange erwartete, die meinen Durst schlagartig minimierte. An dieser Stelle möchte ich einen sehr alten Bekannten, den Meyer-Jan, den ich dort auch traf, zitieren, der meinte dass man “den ganzen Metalscheiß ohne Alkohol gar nicht ertragen kann”. Naja, ich versuchte es trotzdem. Schon bei der ersten Band fragte ich mich, warum die eigentlich immer dasselbe Lied spielen. Aber es folgten ja noch einige andere. Die zweite war eine NWoBHM-Coverband. Ich bin nun nicht so der Fan des europäischen Stahls, aber wenn die nur das beste spielen, kann das ja so schlecht nicht sein. Aber irgendwie waren die besten NWoBHM-Stücke der Song der ersten Band. Vielleicht liegts am fehlenden Bier ? Also ließ ich mir von dem armen Opfer, das als nächstes anstehen musste, eins mitbringen.

Ich hatte also Bier und in die nächste Band hatte ich schon mal rein gehört. Die fand ich gar nicht so schlecht und so war ich gespannt. Aber irgendwie … das klang ja wie die erste Band mit Frauengesang. Die Band darauf klang, obwohl ich was von Ami-Metal-ähnlich gehört hab, wie die erste Band mit nem anderen Leadklampfer. Was dann noch kam, weiß ich nicht, denn ich blieb draußen, bis Anacrusis anfing.

Anacrusis entschädigten für alles. Ein perfekt abgestimmtes Set, gut eingespielte Musiker und ein wie vor 20 Jahren klingender Kenn Nardi trugen zum wohl besten Auftritt bei, den ich überhaupt von einer Band gesehen hab. Na gut, das Geschrote dürfte nicht wenige Langhaarige aus der Maiden-Fraktion verschreckt haben, aber das war mir Wurst, ich fand es super. Die vier hatten auch sichtlich Spaß auf der Bühne. Durch den frenetischen Beifall angespornt gaben sie alles. Vielleicht fühlten sie sich auch das erste Mal wie Rockstars, aber das durften sie auch. Allerdings sollten sie sich schämen, dass sie uns so lange haben warten lassen. Das kostet sie noch mindestens eine Tour ! :-)

Nach Anacrusis ging es mit Watchtower weiter. Auch hier stellte sich die Frage, wie die Band in das Konzept des Festivals passt. Der druckvoll-hektische Post Thrash von Anacrusis und der jazzlastige Frickelmetal von Watchtower dürften ja nun nicht grade Saxon-Bernds Lieblingsspeise sein. Aber sie waren da, der Lommel war da, es passte also. Watchtower kamen wie schon letztes Mal als Klassenclowns auf die Bühne und machten nur Mist. Während die Herren Keyser und Jarzombek im schicken Morgenmantel kamen, hatte der deutlich kahlere Herr Tecchio eine Art Fliegerkostüm und ließ nachher auch noch die Hosen fallen. Auch musikalisch war es ein Schmankerl, weil sie teilweise ihre eigenen Songs verballhornten. Besonders die Reggae-Version des Refrains von “Control and Resistance” fand ich toll. Nur dumm, dass viele das gar nicht mitbekommen haben. Die dachten wohl, der Song ist immer so. Naja, so merkt auch keiner Spielfehler. Das einzige Manko war der grottenschlechte und matschige Sound. Man hatte teilweise echt Mühe, die Songs zu erkennen und das ist ja auch bei gutem Sound nicht unbedingt einfach. Andererseits waren sie dadurch natürlich NOCH stressiger und das lässt den Sound dann wieder positiv erscheinen. Auf jedem Fall war die Halle am Ende des Sets recht leer.

Bevor ich mich nun auf den Heimweg machte, liefen mir noch Kenn Nardi und John Emery von Anacrusis über den Weg. Da stellte ich die Frage der Fragen und bekam eine freudige Antwort. Die Band wird weiterbestehen und sie schreiben schon neues Material. Es ist also alles in Butter und ich konnte beruhigt nach Hause fahren.

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