Autismus, Masern-Impfungen und fünf fehlende Affen

Wenn man durch das Internet fliegt, begegnen einem die seltsamsten Geschichten. Gestern stieß ich auf einen Artikel auf der Seite des Kopp-Verlages, in dem eine Studie zitiert wird, die zeigte, daß Affen, die mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung geimpft wurden, Autismus entwickeln. Da der Kopp-Verlag nun die aktuelle Journaille oft zu Recht kritisiert, aber bei seinen eigenen Artikeln teilweise unglaublich schlampige Recherchen durchgehen läßt, muß man da dann doch einmal genauer hinschauen. Ein Generalverdacht ob der teils unethischen Praktiken der Pharmaindustrie reicht da nicht.

Die MMR-Impfung im Kreuzfeuer

In der Vergangenheit gab es oft unsichere Impfstoffe. Man schaue sich nur die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung an, die teilweise die Krankheit erst auslöste. Deshalb wurde 1998 flächendeckend ein Impfstoff mit toten Viren eingeführt, der nicht mehr gefährlich ist. Ebenso gab es bei Masern früher solche Probleme. Dort wurde es mit einer Veränderung des Erregers gelöst. Der aktuelle Impfstoff kann zwar noch einen schwachen Ausbruch der Krankheit auslösen, die aber nicht mehr ansteckend ist. Lediglich eine erhöhte Arthritis-Gefahr besteht bei Impfungen im höheren Alter. Allerdings wird auch in jüngerer Zeit ein Ausbruch von Polio und eine Ansteckung durch Impfmasern behauptet. Nach intensiver Recherche konnte ich aber keinen Verweis auf eine entsprechende Studie finden. Es wird meistens entweder nur postuliert oder auf andere Studien verwiesen, in denen entweder auch nur postuliert oder verwiesen wird. Es scheint sich hier also um eine klassische Falschmeldung wie beim Streitfall Apple gegen Bruce Willis zu handeln, bei dem nur einer vom anderen abgeschrieben hat, ohne die Echtheit zu prüfen.

Ein weiterer Vorwurf an die MMR-Impfung ist, daß sie Allergien auslösen soll. Die konnte allerdings durch vielfache Studien, z.B. hier, hier und hier,  ausgeschlossen werden. Beispielsweise lag die Rate der Allergien in der impfpflichtigen DDR unter der in der BRD, wo Impfungen fakultativ waren. Insgesamt kommt die Cochrany Library, die auch bei Impfgegnern als unabhängig und vertrauenswürdig gilt, zu dem Ergebnis, daß es derzeit (Feb. 2012) keinen Beweis für die Schädlichkeit der MMR-Impfung gibt.

Autismus

Seit Anfang der 90er Jahre wird ein Anstieg der Fälle für Autismus registriert. In den USA stiegen die Fälle innerhalb der 90er Jahre auf das vierfache an, bis 2003 sogar auf das achtfache (Quelle: www.cdc.gov). Diese Steigerung wurde zuerst auf Umweltgifte und Zusatzstoffe bei Impfungen zurückgeführt. Allerdings spielen hier noch einige andere Faktoren eine Rolle. Zum einen wurde das Thema Autismus in den 90er Jahren erst populär, so daß Eltern jetzt besser bzw. überhaupt erst auf entsprechende Auffälligkeiten achteten. Dasselbe gilt natürlich auch für Kindergärten und Schulen. Viele leichtere Fälle werden dadurch jetzt erst entdeckt. Außerdem ist die Definition von Autismus verbreitert worden. Viele Kinder wären früher gar nicht als autistisch klassifiziert worden. Auch gibt es jetzt mittels Diagnostik bessere Erkennungsmöglichkeiten. Früher wurde Autismus oft mit Schizophrenie oder ADS verwechselt, was heutzutage seltener vorkommt. Das alles führt zu dem Fakt, daß es derzeit als nicht gesichert werden kann, ob sich die Zahlen denn überhaupt geändert haben oder ob es an diesen neuen Faktoren liegt. Das zeigt natürlich nicht, daß es keine Verbindung zwischen Autismus und Impfungen gibt, aber es läßt starke Zweifel an Studien aufkommen, die von einem absoluten Anstieg der Autismusfälle ausgehen.

Der Fall Wakefield

Die Wakefield-Studie ist zweier Sachen wegen interessant. Zum einen ist es die erste anerkannte Studie zum Thema Autismus und MMR-Impfung, und zum zweiten sind es die Wendungen, die sie so besonders machen. 1998 hat Andrew Wakefield mit dreizehn Co-Autoren im überaus renommierten britischen Fachblatt The Lancet eine Studie veröffentlicht, in der er anhand von zwölf autistischen Kindern eine Verbindung zwischen der MMR-Impfung und Autismus untersuchte. Im Ergebnis fanden sich Indizien, die eine Verbindung stützen. Konkrete Beweise für eine Verbindung konnten allerdings nicht gefunden werden. Daher empfahl Wakefield, weitere Studien und in der Zwischenzeit die Kombinationsimpfung durch Einzelimpfungen zu ersetzen.

Interessant ist an dieser Stelle, daß bereits im Vorfeld durch entsprechende Pressemitteilungen gewarnt wurde, daß entsprechende offizielle Stellen die Bedeutung der Studie herunterspielen würden, wie diese es dann auch taten. Ähnliches wurde auch bei BSE und bei der Schweinegrippe versucht, wobei hier der Unterschied ist, daß bei BSE andere Lobbygruppen dahinterstanden und sich die Warnungen vor der offiziellen Aussage bei der Schweinegrippe im Nachhinein als richtig erwiesen. Bei der Wakefield-Studie allerdings konnten statistische Untersuchungen allerdings die Ergebnisse in keinster Weise stützen, wie damals auch Befürworter des MMR-Impfstoffes anmerkten. Da allerdings die Indizien von Wakefield im Raum standen bestand such kein Zweifel, daß es weitere Studien geben mußte.

2004 kam dann noch einmal ordentlich Schwung in die Sache. Die Sunday Times brachte einen Artikel, in dem enthüllt wurde, daß Wakefield 55.000 Pfund an Drittmitteln für die Studie bekam, die er von Anwälten erhielt, die eine Verbindung zwischen der MMR-Impfung und Autismus suchten. Hintergrund war, daß die Anwälte im Auftrag von Eltern autistischer Kinder gerichtliche Prozesse gegen die Hersteller des MMR-Impfmittels anstrebten. Interessanterweise waren einige dieser Eltern auch die Eltern von Kindern, die in der Studie untersucht wurden. Da sowohl The Lancet als auch die Co-Autoren nichts von diesem Geld wußten, wurde Wakefield heftig kritisiert. Zehn der dreizehn Co-Autoren distanzierten sich öffentlich von der Studie und The Lancet erklärte, daß die Studie nicht hätte veröffentlicht werden dürfen.

Aber das ist noch nicht alles. Weitere Nachforschungen ergaben, daß Wakefield seit 1997 die Patente für ein Konkurrenzprodukt zur herkömmlichen MMR-Impfung hält und sein sein eigenes Labor Forschungsergebnisse besaß, aber nicht veröffentlichte, die Wakefields Thesen wiederlegen. Dazu kommt, daß die oben genannten Anwälte nicht nur 55.000 Pfund, sondern 3,5 Millionen Pfund an Wakefield, einige Co-Autoren, einen von Tha Lancet beauftragten Gutachter und weitere Protagonisten überwiesen hatten. Wakefield allein bekam 500.000 Pfund, die er teilweise schon zwei Jahre vor der Veröffentlichung der Studie erhielt. Im Februar 2010 zog The Lancet die Veröffentlichung schießlich zurück und strich den Artikel aus der Liste der Veröffentlichungen. Im Mai 2010 erhielt Wakefield wegen Unehrlichkeit, Verantwortungslosigkeit und mangelndem Handwerk Berufsverbot und 2011 wurden Fakten präsentiert, daß Wakefield die Ergebnisse vorsätzlich gefälscht hatte.

Es ist als unstrittig, daß die Studie von Wakefield nicht das Papier wert ist, auf dem sie geschrieben ist. Auch die anderen Studien, die auf die Wakefield-Studie aufbauen sind somit teilweise wertlos. Trotzdem werden die Ergebnisse in Papageien-Manier auch heute noch vorbehaltlos und offensichtlich unreflektiert nachgeplappert. Das kann man sehen wie mal will, aber selbst wenn es nur fahrlässig ist, sind das grobe wissenschaftliche Fehler. Sollte es sogar mit Absicht geschehen, kann man sich wohl sicherlich schon fragen, ob das dann strafrechtlich relevant ist oder nicht. Was ebenfalls nicht besonders wissenschaftlich ist, sind die Ausweitungen der angeblichen Behauptungen der Wakefield-Studie nach dem Stille-Post-Prinzip. So wurden aus Indizien dann Beweise, und aus der MMR-Kombi-Impfung wurden dann alle Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln und schließlich allgemein gegen alle Impfungen. Wer also behauptet, die Wakefield-Studie zeige, daß Impungen zu Autismus führen, kann ruhigen Gewissens als Kurpfuscher oder Scharlatan bezeichnet werden.

Zum Schluß wird es affig

Nun war natürlich die Wakefield-Studie nicht das Ende der Fahnenstange. Schließlich haben Horden von Wunderheilern, Kräuterschamanen und sonstigen Impfgegnern ihr Geschäftsmodell auf der Studie aufgebaut. Übrigens nennen sich viele Impfgegner fälschlicherweise impfkritisch, was aber nicht stimmt, da sie alles sind, nur nicht kritisch. Zur Kritik gehört auch die Selbstkritik und die habe ich bisher nur im Zusammenhang mit homöopathischen Impfungen gefunden. Die Fähigkeit zur Selbstkritik ist aber DIE entscheidende Eigenschaft, die einen wissenschaftlichen Text von Prosa unterscheidet. Wenn nun jetzt die Fakten des Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus doch nicht stimmen, gehen ja nun die Einnahmen flöten, weil keiner mehr impfkritische Bücher kauft und auch keiner mehr mehr wegen weggeimpften Krankheiten zur alternativmedizinischen Behandlung kommt. Wobei ich grade letzteres nicht verstehe, da es genügend Indikationen für Alternativmedizin gibt, so daß man nicht noch künstlich nebenbei der Schulmedizin Konkurrenz machen muß. Aber das nur nebenbei als persönliche Anmerkung. Jedenfalls muß man als ordentlicher Verfechter der Lehren von Wakefield nachlegen.

Der oben genannte Artikel des Kopp-Verlages referenziert einen Artikel von Laura Hewitson, Forschungsdirektorin der Johnson Centers ins Austin, Texas, welches damals noch Thoughtful House Center hieß. Was ist also dran an der Geschichte ? Dazu gibt es weitere Artikel, die die Arbeit von Hewitson dementsprechend analysieren. Da fallen sehr schnell Ungereimtheiten auf. Viele sind sehr wissenschaftlich und ein nicht geringer Teil ist ohne fachliche Vorbildung auch nur Kauderwelsch. Aber einige Fakten sind doch für den medizinischen Laien schnell durchschaubar. Das ganze Setup besteht darin, daß man 16 Affen benutzt. Davon bekommen 12 die MMR-Impfung und 4 als Kontrollgruppe Kochsalz-Injektionen. Später wurden die Affen einem MRT unterzogen. Ich habe jetzt zwar nicht verstanden, warum die zwei Gruppen unterschiedlich groß sind, aber vielleicht wurden die 12 Affen der Testgruppe gebraucht, um statistische Unsicherheiten bei den Messungen auszugleichen, was bei der Kontrollgruppe nicht nötig war. Aber da sind wir schon beim Punkt, 16 Versuchsobjekte sind sehr wenig, besonders die vier Tiere in der Kontrollgruppe sind zu wenig. Nun kann man nicht hunderte Affen für medizinische Zwecke mißbrauchen, aber man sollte sich der Sache bewußt sein, daß die Ergebnisse nur eingeschränkt aussagekräftig sind.

Jeder kennt das vom Würfeln. Manchmal hat man Glück und manchmal nicht. Erst nach längeren Runden kommt man auf die statistische Wahrscheinlichkeit von eins zu sechs für das Würfeln einer sechs. Bei medizinischen Experimenten sind die Ergebnisse oft gar nicht am Einzelfall erkennbar, oft geht es auch um Veränderungen einer gemessenen Größe im Promill-Bereich oder kleiner. Deshalb werden große Mengen an Testdaten bevorzugt und Einzelfällen wird keine Relevanz zugesprochen. Schließlich würde ja auch niemand auf die Idee kommen, nach einem Würfelwurf zu sagen, daß jemand nur Sechsen würfeln kann. Bei der oben genannten Anordnung von 12 zu 4 Tieren kann man durchaus davon ausgehen, daß das Experiment schon irgendwann die Ergebnisse zeigt, die man möchte, wenn man es oft genug wiederholt, selbst wenn die Ergebnisse nicht den Tatsachen entsprechen.

Aber der größte Kritikpunkt kommt noch. Die Affen wurden ja einem MRT unterzogen. Dazu wurden neun Affen der Testgruppe untersucht, bei denen eine Verkleinerung des Gehirns festgestellt wurde. Bei den zwei untersuchten Affen der Kontrollgruppe war das nicht der Fall. Doch da wird man stutzig. Es waren doch insgesamt 16 Affen im Experiment, warum werden jetzt nur 11 untersucht ? Paßten die anderen fünf etwa nicht ins Bild ? Wären nämlich drei Testaffen ohne, die zwei fehlenden Kontrollaffen aber mit einer Schrumpfung gewesen, so wäre die ganze Studie sinnlos. Angenommen die These würde nicht gelten und die Schrumpfung hätte einen anderen Grund, so wären fünf Affen ohne und neun mit Schrumpfung, egal in welcher Gruppe sie sind. Es wäre also durch den zufälligen Auswahlakt bestimmt, welche Tiere in die Kontrollgruppe kommen und welche nicht. Somit ist mein Ergebnis auch nur Zufall. Hätten beide Gruppen je acht Affen, so hätte ich in keiner Gruppe weniger als drei Affen mir einer Hirnschrumpfung. Es liegt also sehr nahe, daß die fehlenden fünf Affen unerwünschte Ergebnisse zeigten und deshalb nicht untersucht wurden.

Das Papier hat also gravierende fachliche Mängel, Mängel, die in keiner Arbeit im Studium toleriert werden würden. Deshalb fand sich auch keine renommierte Institution, die den Artikel veröffentlichen wollte. Erst nach einer ganzen Weile wurde es veröffentlicht. Allerdings muß man sagen, daß dieses pseudowissenschaftliche Vorgehen typisch für das Johnson Center ist, in dem Hewitson arbeitet. Ihre Mitstreiger Krigsman und Jepson durften auch schon einmal wegen Falschinformationen Strafe zahlen. Auch einer der Gründer kommt einem Bekannt vor, es ist Andrew Wakefield. Es ist wirklich erstaunlich, was in den USA so alles unter dem Deckmantel der Wissenschaft arbeiten darf. Und es ist auch völlig schleierhaft, wie ein deutscher Verlag zwei Jahre, nachdem das Papier zerrissen wurde, die Fakten als unschlagbare Neuigkeit verkaufen kann. Das ist aber typisch für große Teile des deutschen populärwissenschaftlichen Journalismus.

Und nun ?

Kann man nun sagen, daß die MMR-Impfung und Autismus keine Verbindung haben? Das ist eine gute Frage, vielleicht wurde bisher nur in die falsche Richtung gedacht. Aber insgesamt kann man der Einschätzung des unabhängigen Cochrane-Instituts folgen und davon ausgehen, daß die Dreifachimpfungen sicher sind. Derzeit sprechen statistische Auswertungen dafür, und es konnte noch nicht stichhaltig gegenargumentiert werden. Das läßt zwar noch Hintertürchen offen, aber die Wahrscheinlichkeit, daß da noch etwas kommt ist recht gering. Auf alle Fälle kann man aber sagen, wenn euch jemand erzählen will, die MMR-Impfung oder gar Impfungen im Allgemeinen wären für Autismus verantwortlich und dieser jemand dann noch Hewitson oder gar Wakefield zitiert, dann geht einfach. Ihr seid dann an einen Scharlatan geraten.

 

Wie viel Wert ist eigentlich eine Aktiengesellschaft ?

Eigentlich ist es doch ganz einfach. Solche Rechnungen werden ja grade nach Börsengängen gemacht, denn vorher kann man nur schätzen. Danach weiß man aber ganz genau, was Google, Facebook oder Yahoo! Wert sind. Man nehme einfach den Aktienpreis von 20$ und bei  100 Millionen Aktien ist das Unternehmen 2 Milliarden Dollar wert. Wenn dann der Kurs einbricht, ist Facebook nur noch zwei Drittel wert und Mark Zuckerberg ist nur noch der elftreichste Amerikaner.

Aber ist das denn wirklich so ? Wenn ein Bäcker ein Brötchen für 20 Cent verkauft, dann kann er sicherlich das ganze Blech mit 20 Brötchen verkaufen. Wenn ich jetzt aber hinkomme und mir für den nächsten Tag ein Rosinenbrötchen mit Salzkruste bestelle, wie sieht es dann aus ? Der Bäcker verkauft mir das Brötchen für 50 Cent. Da ich wahrscheinlich der einzige Käufer bin bleibt es aber dabei. Das heißt, daß das Blech mit 20 Brötchen 50 Cent wert ist.

Analog sollte man auch Aktien betrachten. Bloß weil jemand eine Aktie für 20$ kauft heißt das nicht, daß jemand alle Aktien für 20$ kaufen wird. Es heißt lediglich, daß der Käufer bereit war 20$ auszugeben und es kein billigeres Angebot gab. Das kann mehrere Gründe haben, aber hauptsächlich liegt es daran, daß der Käufer auf einen steigenden Kurs spekuliert oder daß er der Meinung ist, daß die Aktie eine gute Rendite bringt.

Anhand der Rendite kann man das gut sehen. Wenn eine Firma mit 1 Mio. $ Startkapital jedes Jahr 1 Mio. $ an die Aktionäre ausschütten kann, wird der reine Gesamtwert der Aktien schnell steigen, da es für kurz- und mittelfristige Anleger aufgrund der Rendite sehr lukrativ wird. Kurz vor der Ausschüttung wird dann das Unternehmen lauf Aktienkursen ein Vielfaches seines eigentlichen Kapitals wert sein. Ob aber wirklich jemand so viel bezahlen würde hängt dann allerdings eher daran, ob dieser wirtschaftliche Erfolg langfristig wiederholbar ist. Diese allenfalls schwache Korrelation zwischen Aktienkurs und Unternehmenswert ist aber auch klar. Wenn bei Opel die Kurse fallen, verschwindet ja nicht plötzlich eine Fabrik im Nichts.

Man kann also den Wert eines Unternehmens gar nicht so einfach bestimmen, solange man nicht wirklich einen Käufer hat. In Aktienkursen spiegelt sich nicht der Wert des Unternehmens wieder, sondern die Erwartungen der Anleger in die Zukunft des Unternehmens. Nicht nur mit Derivaten, Leerverkäufen und ähnlichen Instrumenten werden virtuelle Güter gehandelt. Auch Aktien fußen nicht auf einem realen Gegenwert, sondern nur auf Gewinnerwartungen. In den wenigsten Fällen werden Aktien wegen dem Stimmrecht gekauft. Bei Staatsanleihen ist das übrigens genauso. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn einem in den Medien halbgare Analysen vorgehalten werden.

Das GEMA-Youtube-Paradoxon

Letztens stolperte ich über einen Artikel, in dem sich der Schreiberling furchtbar drüber aufregte, daß YouTube immer schreibt, daß die GEMA nicht die Rechte einräumt, das Video zu zeigen und daß das doch einfach nur billige Hetze ist, die davon ablenken soll, daß YouTube der eigentlich Schuldige ist. Das hat mich dazu gebracht mal nachzudenken, warum sich die GEMA weigert, mit YouTube zusammenzuarbeiten. Die GEMA ist ja eigentlich nicht allzu störrisch und man kann mit ihr über Sonderkonditionen verhandeln, sobald man groß genug ist. Auch wenn diese Größe bei der GEMA wirklich groß ist, sollte sie ein Konzern wie Google, die Mutter von YouTube, spielend erreichen. Wo klemmt es also ?

Fangen wir mal an auszurechnen, was man mittels Werbung bei YouTube verdienen kann. Das ist relativ schnell recherchiert. Zum Beispiel kann man einen Film produzieren und hochladen. Dann schaltet man da Werbung und kassiert. Ich habe einige Beiträge zu dem Thema gefunden und scheinbar kann man davon ausgehen, daß die Einnahmen in der Regel oberhalb von 1€ pro 1.000 Views sein werden. Wer sich im Bereich der Internetwerbung etwas auskennt weiß, daß diese Untergrenze durchaus realistisch und eher zu niedrig ist. Für die folgenden Berechnungen reicht die Zahl aber gut aus. Für YouTube würde es sicher kein Problem sein, im Rahmen dieses normalen Geschäftsmodell entsprechende Vergütungen zu zahlen.

Wir nehmen jetzt mal eine beliebige Band, die aber nicht allzu bekannt sein sollte. Eine extreme Death-Metal-Band kommt da gerade richtig. Wegen der deutschen Blockade nehme ich da am besten eine amerikanische. Die Band Cannibal Corpse zum Beispiel hat einige Musikvideos auf YouTube, davon konnte ich drei in Deutschland aufrufen. Ein Video hatte 12. Mio. Views, eins 2 Mio. und ein 1 Mio. Dazu kommen noch unzählige Live-Videos unterschiedlicher Qualität mit fünf- oder sechsstelliger Viewzahl. Außerdem noch viele, in Deutschland zumeist nicht abrufbare, Videos einzelner Songs mit dem Cover des Albums oder einem Bandfoto. Die meisten kennen so etwas sicher. Wir reden hier also insgesamt von einer stattlichen Anzahl von Views im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Wenn ich die vergleichsweise ordentliche  Größe des deutschen Metal-Bereichs in Betracht zieht, werden wohl gut 10% aller Views aus Deutschland kommen, wahrscheinlich noch viel mehr. Insgesamt sind es also ein paar Tausend Euro GEMA-Einnahmen für Cannibal Corpse, von denen wir hier reden. Das für eine Band, die von der Mehrheit der Metal-Fans als stupides Geknüppel und Gegrunze wahrgenommen wird.

Schaut man jetzt nur etwas weiter in Richtung der gemäßigteren Metal-Bands ist man schnell in einem Bereich, wo wir über 30.000€ GEMA-Einnahmen und mehr reden. Das ist dann auch der Knackpunkt. Ab diesem Betrag kann man ordentliches GEMA-Mitglied mit Stimmrecht werden, wie man letztens lesen konnte. Würde es also eine Einigung der GEMA mit YouTube geben, hätten plötzlich viele Künstler die Möglichkeit, in der GEMA gestalterisch mitzuwirken. Das betrifft natürlich nicht nur den Metal-Bereich, sondern auch viele andere Sparten wie Indie Rock, Elektro, Gothic usw. usf. Das sind Künstler, die beim jetzigen Abrechnungsverfahren immer den Kürzeren ziehen, da größtenteils nur Mainstreammedien für den Verteilungsschlüssel berücksichtigt werden. Es wäre also für die derzeitigen GEMA-Größen durchaus von Nachteil, wenn es zu einer Einigung käme. Langfristig würde die Mainstream-Industrie Einfluß und damit Geld verlieren. Dieser Verlust aber wäre aber eben vielleicht deutlich höher als die Einnahmen, die man durch YouTube erzielen könnte. Wenn einige schlaue Köpfe bei Universal, Warner, EMI und BMG das genauso sehen, wird plötzlich alles klar, denn auch die großen Plattenfirmen kassieren über ihre angegliederten Verlage bei der GEMA kräftig mit.

Manipulation 2.0 – Meinungsmache via Facebook und so

Seit dem soziale Netzwerke immer beliebter werden, kann man auch einen ganz neuen Trend beobachten. Eine nicht geringe Zahl der User von Facebook, Twitter & Co. lassen sich als Verbreiter von Informationen und Meinungen. Das ist an sich kein Problem, würde es nicht oftmals unreflektiert geschehen. Dadurch scheint sich die Informationsfreiheit im Netz in ihr Gegenteil zu verkehren.

Stark vereinfacht kann man sagen, daß soziale Netzwerke die Reichweite der BILD mit Stammtischdynamik kombinieren. Daß das zu einem positiven Ergebnis führen kann haben die Revolutionen der letzten Jahre gezeigt. In vielen Ländern hätte es ohne Facebook keine politischen Umstürze gegeben. Aber es zeigt sich, daß sich diese Dynamiken auch unkontrollierbar in andere Richtungen bewegen. Es ist gar nicht so lange her, da wollte ein wütender Mob einen mutmaßlichen Kindermörder lynchen. Kurz darauf stellte sich dann aber heraus, daß der aber gar nichts damit zu tun hatte. Daß damit unter Umständen ein Leben nachhaltig zerstört wurde, darüber machen sich die wenigsten Gedanken, denn der nächste Aufreger ist gleich um die Ecke.

Daß die Netzgemeinde oft nur für den Moment lebt und denkt zeigt sich an der Fußball-EM. Erinnert sich noch jemand an die Meldungen über die Massenverbrennungen von Hunden in der Ukraine ? Was ist doch für ein Sturm losgebrochen. Der war allerdings auch schnell wieder verebbt. Die meisten haben gar nicht mehr mitbekommen, daß etliche Medien dabei unsauber arbeiteten und einfach Bilder nahmen, die schon einige Jahre alt waren und in Südamerika aufgenommen wurden. Mittlerweile ist das aber alles kein Thema mehr, denn die EM steht an. Und getreu dem Politiker-Mantra “Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern” sind die Hunde nun alle vergessen. Themen wie der Rauswurf von hunderten Studenten aus ihren Wohnheimen, um Platz für EM-Touristen zu schaffen, werden natürlich ignoriert. Das ist zwar auch ein Aufreger, aber das Thema könnte ja wirklich den Spaß an der EM gefährden und so ignoriert man es lieber. Wäre es nachträglich herausgekommen, dann wäre wohl wieder Polen offen gewesen.

Das eröffnet natürlich Möglichkeiten. Man kann es besonders gut an den einschlägigen rechtsextremen Parolen zu den Themen Todesstrafe, Homophobie und Lynchjustiz sehen. Diese Parolen verbreiten sich teilweise in einer Geschwindigkeit, die jede Vergeltungswaffe in den Schatten stellt. Hier sieht man auch recht deutlich, wie sich unbeteiligte und politisch moderat eingestellte Personen von der Rechtsextremen vor den Karren spannen lassen. Wenn man dann wiederspricht, bekommt man bei vernünftiger Argumentation auch schnell Zustimmung, daß Teeren und Federn vielleicht doch nicht mehr in die Zeit paßt. Aber schon eine halbe Stunde kommt der nächste Oberschlaue, der frei weg erzählt, was er mit Pädophilen machen würde. Wohlgemerkt mit Pädophilen, die diese Neigung haben, nicht mit straffällig gewordenen Tätern. Das zeigt einem dann deutlich die Oberflächlichkeit, mit der die Themen behandelt werden. Zu einem polemischen Thema schnell eine extreme Meinung abgeben und schnell weiter zum nächsten peinlichen Video, wo sich jemand über seinen übergewichtigen Mitschüler lustig macht.

Diese Oberflächlichkeit eröffnet natürlich auch einige Möglichkeiten der gezielten Beeinflussung. Man hat ja meist schon einen Kreis von Leuten um sich, die mit denselben Interessen ausgestattet sind. Wenn wir hier von professionellen Kampagnen zur Meinungsmanipulation sprechen, reden wir auch von Big Playern in den Sozialen Netzwerken. Allein durch die Verknüpfungen zweiten Grades, sprich einmaliges Teilen oder Retweeten, erreicht man schon fünfstellige Nutzerzahlen oder mehr. Das klingt zuerst viel, wenn man sich aber mal die Anzahl der Follower von einigen Trendsettern oder die Likes dieser ganzen Spamseiten mit pseudolustigen Namen auf Facebook anguckt, sieht man schnell daß die tatsächliche Reichweite bei einem halbwegs gut ausgebauten Netzwerk deutlich höher ist. Davon sind zwar wiederum nicht viele Empfänger im gewünschten Interessengebiet, was dann aber durch die gewünschten viralen Effekte abgefedert wird, so daß irgendwann alle regelmäßig aktiven sozialen Netzwerker die Message mitbekommen haben.

Jetzt ist natürlich die Frage, was für eine Message ich rüberbringen will. Wobei genaugenommen die rübergebrachte Message nicht das sein muß, was ich erreichen will. Wenn ich will, daß mein Babybrei gekauft wird, muß ich ihn bewerben. Das funktioniert aber viral relativ selten. Viel einfacher ist es, die Konkurrenz auszuschalten. Dazu gibt man bei einem Institut eine Studie in Auftrag, bei der eine Belastung des Konkurrenzbreies mit Irgendwas festgestellt wird. Daß die Grenzwerte von Irgendwas um das 10.000-fache höher waren und diese geringen Mengen kurz vorher noch gar nicht messbar waren und insgesamt die Mengen völlig unerheblich sind, interessiert dann nicht mehr. Der Skandal ist da und in diesem, auf einer wahren Begebenheit beruhendem, Fall war das Opfer gezwungen, die Babynahrung aus dem Sortiment zu nehmen.

Das Beispiel ist schon älter und funktionierte noch mit richtigen Zeitungen ohne online und so. Durch die Technologien des Web 2.0 eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten, besonders für kleinere Interessengruppen ohne großes Budget. Man muß natürlich erst mal ein Gewand haben, um den eigentlichen Zweck zu verschleiern, gerade wenn man nur Sparteninteressen bedient. Es gibt zwei häufig benutzte Möglichkeiten, ein Zielpublikum manipulativ zu beeinflussen. Das wären einmal falsche oder frisierte Statistiken, die andere Möglichkeit ist die Tatsache, daß das menschliche Gehirn eine einfache, aber falsche Erklärung in der Regel einer komplexen, aber richtigen Erklärung vorzieht.

Fangen wir bei den Statistiken an. Dazu zeige ich erst mal an einfachen Beispielen, was so alles möglich ist. Fangen wir mit der Bild-Zeitung an. Da wurde kürzlich berichtet, daß 2011 über 900.000 Empfänger, das ist so etwa jeder Vierte, von ALG II mit Sanktionen belegt wurden, weil sie geschummelt und getrickst haben. Das ist falsch. Es gab 900.000 Sanktionen und nicht Sanktionierte. Diese Sanktionen ergingen aber nur an etwa 4% aller Empfänger, viele wurden mehrfach sanktioniert. Außerdem waren es zum überwiegenden Teil Sanktionen wegen verpasster Fristen und nicht wegen Betrug. Auch die Politik polemisiert gern mit Zahlen. So drückte Angela Merkel auf der G20 Konferenz 2010 durch, daß die Industrieländer bis 2013 ihre Neuverschuldung halbieren. Das ist nur scheinbar ein sportliches Ziel. Die Neuverschuldung betrug von 2003 rund 70 Mrd. Euro und sank kontinuierlich bis 2007 auf 7 Mrd. Euro, 2008 betrug sie 25 Mrd. Euro. Dann aber 2009 wurden es plötzlich knappe 120 Mrd. Euro. Das ist nach 1995 erst das zweite Mal, daß der Wert zweistellig wurde. 2010 lag der Wert dann bei unglaublichen 330 Mrd. Euro. So viel zum Thema Sparpolitik der derzeitigen Koalition. Es ist klar, daß man diesen Wert bis 2013 locker halbieren kann. Genauso läuft derzeit die Kampagne großer Eventveranstalter, die sich über die neuen Gema-Tarife aufregen. Unverständlicherweise lassen sich viele da einspannen für die es eigentlich billiger wird. Besitzer von kleinen und mittleren Clubs mit moderaten Eintrittspreisen werden davon definitiv profitieren, wie man bei der Gema relativ leicht selbst recherchieren kann. Trotzdem wirkt die Meinungsmache derjenigen, die bisher vom unfairen Gema-System auf Kosten der kleinen Clubs profitiert haben, sehr gut auf alle anderen. Die Gema ist böse, also ist man undifferenziert dagegen, weil irgendwer sagt, es wird teurer.

Noch ein etwas komplexeres, aber dennoch sehr interessantes Beispiel für falsch interpretierte Statistiken. Es ist zwar alt, aber es sorgen ja auch regelmäßig wiederentdeckte Uralt-Fakten für Stimmung, weil wieder mal wer nicht aufs Datum der Meldung geguckt hat. In den 70er Jahren wurde die Universität Berkeley wegen Diskriminierung verklagt. Während fast die Hälfte der männlichen Bewerber auf einen Platz für ein Gradierten-Studium zugelassen wurde, waren es bei den Frauen nur ein Drittel. Das ist natürlich ein klarer Fall von Diskriminierung, zumindest oberflächlich. Bei genauerem Hinsehen änderte sich das. Als das Gericht die Quoten der Fachbereiche untersuchte, stellte es fest daß die Frauen eigentlich leicht bevorteilt wurden. Der Knackpunkt war einfach, daß Frauen tendenziell die Studiengänge mit einer geringeren Zulassungsquote bevorzugten. Dadurch wurde die Gesamtquote im Vergleich zu den Männern gesenkt, die eher zu Studiengängen mit niedrigeren Hürden tendierten. Ähnliche Effekte werden auch bei Bilanzen genutzt. Ein neuer Abteilungsleiter eines Computervertriebes teilt seine Abteilung von neun Leuten in zwei Teams. Die vier besten (A, B, C, D) verkaufen zusammen 160 Computer pro Monat, die vier schlechtesten (F, G, H, I) 80 Computer, der noch fehlende (E) allein 30 Computer. Jetzt teilt der Abteilungsleiter die Teams in die schlechtesten vier in das erste Team (F, G, H, I) und den Rest in das andere Team (A, B, C, D, E). Somit haben die Teams einen Durchschnittsverkauf von 20 bzw. 38 Computer pro Monat. Im nächsten Monat verkaufen alle genauso viel wie vorher, werden die Teams verändert indem der mit den 30 Rechnern zum anderen Team wandert.. Damit steigt der Durchschnittsverkauf bei beiden Teams auf 40 Computer für das bessere Team (A, B, C, D) und 22 Computer auf das andere Team (E, F, G, H, I). Somit ist die Bilanz des Abteilungsleiters deutlich besser, obwohl kein einzelner Rechner verkauft wurde.

Kommen wir zum zweiten Bereich der Manipulation. Hierzu werden einfache Erklärungen für Probleme geliefert, die zwar falsch sind, aber deshalb eher geglaubt werden. Ein wundervolles Beispiel sind die privaten Rentenkassen, da haben wir gleich zwei Punkte. Zum einen ist da der demographische Wandel. Die Menschen werden immer älter und es gibt weniger Kinder. Also müssen immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren. Besser wäre eine Bevölkerungspyramide. Da sind zwei Denkfehler drin. Zum einen bedeutet eine Bevölkerungspyramide immer eine hohe Kindersterblichkeit und darauf hat dann wohl doch keiner Lust. Der zweite Fehler ist die Annahme, daß Kinder nichts kosten. Wenn wir mehr Rentner haben, aber weniger Kinder bekommen stellt sich auch ein Gleichgewicht ein. Dann sinkt zwar die Gesamtbevölkerung, aber Deutschland kann das aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte aushalten. Es besteht also kein Grund zur Panik, langfristige Pläne sind hier wesentlich hilfreicher als die derzeitigen Schnellschüsse. Der zweite Punkt zu diesem Thema sind die privaten Krankenkassen an sich. Wer schon einmal entsetzt seine Riesterrente objektiv durchgerechnet hat, wird wissen was ich meine. Bei der gesetzlichen Rentenkasse zahle ich nur einen Teil des Beitrages, bei der privaten den vollen Betrag. Dazu kommt, daß eine private Versicherung marktwirtschaftlich arbeitet und dadurch sicherlich wesentlich weniger auszahlt als eine gesetzliche Versicherung ? Mit dem Hinweis, daß die Fürsprecher der privaten Rentenversicherung wie Prof. Rürup, Prof. Sinn und Prof. Raffelhüschen auf den Lohnlisten von Allianz, Victoria und AWD stehen, sollte schnell klar werden, was gespielt wird.

Ein gutes Beispiel hierfür sind auch die Begründungen von Verschwörungstheoretikern. Als prominentes Beispiel seien hier Fakten zur angeblichen Mondlandungslüge genannt. Ein Fakt sind sternenlose Bilder vom Mond. Es klingt logisch, daß diese gefälscht sein müssen. Allerdings kann man das auch ganz einfach anders erklären. Die Belichtungszeiten reichen einfach nicht aus, damit die Sterne erscheinen. Das kann man selber ausprobieren, indem man den Nachthimmel mit einer tageszeitüblichen Belichtungszeit und Blende aufnimmt. Es wird nichts zu sehen sein. Ein weiteres Argument sind die wie eine Kulisse wirkenden Hintergründe. Hier muß man aber sehen, daß die Bergformationen auf den Bilder viele Kilometer weg sind. Dadurch wirken sie immer gleich. Trotzdem kann man beim Übereinanderlegen der Bilder Unterschiede durch eine Perspektivenänderung erkennen, die bei einer einfachen Kulisse nicht möglich wären. Auch bei Impfgegnern, die sich selbst beschönigend Impfkritiker nennen, sind solche Denkweisen beliebt, oft zusammen mit falschen oder falsch interpretierten Statistiken. Hier kann man zum Beispiel die oft gehörte These anführen, daß Ärzte aus der Impfgegnerschaft sehr oft mit Impfschäden zu tun haben. Das klingt überzeugend, ist aber nur eine statistische Verwirrung. Zum einen impfen Impfgegner wahrscheinlich selbst relativ selten. Zum zweiten wird von Impfgegnern nach einer Impfung jedes Wehwehchen als Impfschaden interpretiert, was man an den angeblich nicht dokumentierten Nebenwirkungen erkennt. Das dritte und wirksamste Argument ist auch relativ einfacher Natur. Die Impfgegner unter den Ärzten firmieren natürlich oft auch als Spezialisten für Impfschäden. Wohin gehe ich, wenn ich krank bin ? Zu einem Spezialisten natürlich. Damit ist obiges Argument ungefähr so glaubwürdig wie die Aussage einer Hebamme, daß alle Frauen irgendwann schwanger werden, weil sie nie eine Frau betreut hat, die kein Kind bekommt. Auch wird der Pharmaindustrie von Impfgegnern oft kommerzielles Interesse an Impfungen unterstellt. Das ist natürlich richtig. Der Teufel steckt hier in einem Detail und dieses Detail ist die implizite und vielleicht auch unbewusste Folgerung daß Impfgegner kein wirtschaftliches Interesse an der Impfgegnerschaft hätten. Aber da ist der Haken, das stimmt nämlich nicht. Zum einen sind viele Impfgegner einfache Heilpraktiker und dürfen damit gar nicht impfen. Die Krankheit, gegen die nicht geimpft wurde, behandeln dürfen sie aber schon. Außerdem gibt es einen nicht zu unterschätzenden Markt für Bücher, Seminare und anderes Infomaterial der Impfgegner. Dieselben kommerziellen Interessen der Pharmaindustrie kann man somit auch der Impfgegnerschaft unterstellen.

Ich könnte hier noch eine ganze Weile weitermachen. Es gibt noch viele lustige Ticks mit Statistiken und auch der oft gemachte Fehler des Vertauschens von Ursache und Wirkung wäre ein paar Beispiele wert. Aber es soll ja hier nicht ausufern, es ist eh schon viel länger wie geplant. Vielleicht gibt’s ja mal noch ein zweiten Teil, genug Material gibt es ja, wenn man sich mal bei Facebook umschaut. Wichtig ist mir aber hier nicht die Aufzählung von Fällen, wo alles Manipulationsfallen lauern, sondern die Erkenntnis daß auch bei Facebook manipulative Kampagnen gefahren werden, nur eben von anderen Spielern als der Bild oder Bertelsmann. Von daher ist es das wichtigste einen Radar zu entwickeln, wann etwas nicht ganz koscher ist und dann in alle Richtungen weiterzuforschen, um sich dann ein möglichst objektives Bild der Thematik bilden zu können. Diesen Radar entwickelt man erstaunlicherweise recht schnell. Allerdings wird er nie so ganz perfekt und man fällt auch mit Erfahrung immer mal wieder rein.

Der Kleiderschrank als Turingmaschine

Jeder Mann weiß, welches Shirt oder Hemd er heute anzieht. Das das oben liegt. Kommen neue Obertrikotagen aus dem Trockner, so werden diese natürlich oben draufgelegt. Ist kein Platz mehr, dann drückt und schiebt man alles ein wenig. Ein Kleidungsstück paßt noch rein. Somit kann man ein solches Fach eines Kleidungsstücks als Kellerspeicher sehen. Nun kann man den Mann als verarbeitende Maschine sehen. Da er entweder nackt oder angezogen ist, ist er somit ein endlicher Automat. Zusammen mit dem Kellerspeicher im Schrank ist er somit ein deterministischer Kellerautomat. (Im Vergleich dazu sind Frauen bevorteilt, weil sie nichtdeterministisch wären.) Nun hat der Mann aber nicht nur ein Stapel  Hemden, sondern auch einen Stapel Hosen im Schrank. Somit hat er einen zweiten Kellerspeicher und ist dadurch zu einer Turingmaschine äquivalent. Somit ist die Menge aller Männerkleidungsstücke entscheidbar. Ganz im Gegenteil zum weiblichen „Was soll ich nur anziehen ?“

Die egoistischen Mahnungen der gestrig denkenden Musikschaffenden

Ich weiß gar nicht, warum sich so viele “Künstler” drüber aufregen, daß das Urheberrecht reformiert werden soll. Tatsache ist doch, daß grade die Musikindustrie das Internet verschlafen hat und nun versucht, ein Geschäftsmodell zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Es ist grade so, als ob die Handwerkskammer versucht, das Heimwerken zu verbieten. Das ist genau dasselbe. Früher war halt alles einfacher, da gabs keine Raubkopiererei, oder ? Moment, was ist den mit der Tape-Trading-Szene ? Das ist genau der Punkt, schon früher wurde alles kopiert. Wir haben uns abgesprochen, wer was kauft und dann ging die Kopiererei los, zuerst mit Tapes, dann mit CD-Rs. Unsere Eltern haben das mit Magnetbändern gemacht. Schon als diese erfunden wurden, wurde die Musikindustrie totgesagt. Aber plötzlich ist sie zu ungeahnten Höhenflügen aufgeschwungen.

Jetzt könnte man sagen, daß man ja trotzdem ein Original haben mußte, um Kopieren zu können. Aber mal ehrlich, ob die eine Nase da den Kohl fett gemacht hat ? Im Endeffekt haben doch da schon die Leute die Platten gekauft, die auch heute noch die CDs kaufen, einfach weil sie das Zeug haben wollen, auch dann wenn es der Kumpel schon hat. Ich selbst habe einige Alben doppelt, weil ich zuerst die Platte hatte und auf der CD Bonustracks drauf waren (das war früher so) oder aber weil das Cover auf der Platte cooler, weil größer, aussieht und ich das Ding für drei Euro aufm Flohmarkt hab liegen sehen. Das dritte Napalm Death Album hab ich sogar dreimal, weil ichs zuerst als Kassette gekauft hatte, dann als CD und dann als Platte mit Bonus-Single. Ich bin da wohl ein Extremfall, aber nicht der einzige der ein Album kauft, nur um es hören zu können. Man kauft ein Album, um es zu HABEN.

Nun sind die Verkäufe aber zurückgegangen. Da sehe ich drei Gründe. Zum einen sind die Preise mittlerweile deutlich gestiegen. Mittlerweile kostet die CD in Euro mehr als vor 20 Jahren die Platte in Mark. Das ist garantiert nicht inflationsbedingt, denn dann wäre der Faktor etwa 1,4 und nicht 2. Man kann natürlich argumentieren, daß alles teurer wird und die Qualität besser und so. Außerdem sind ältere Platten jetzt im Verhältnis auch deutlich billiger. Aber die Preise für mp3s sind eine Frechheit. Das ein mp3-Album genauso viel kosten soll wie eine CD kann mir keiner erklären, das ist Unsinn.

Daher kommen wir zum zweiten Grund. Wer will denn den ganzen Charts-Mist kaufen ? Während bei Motown nur der Stil gleich war, sind die einzelnen “Künstler” mittlerweile gar nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Da ist doch klar, daß das keiner kaufen will. Herbert Grönemeyer hingegen schafft trotzdem immer noch locker Platin. 2003 wurden zwar die Bedingungen herabgesetzt, aber da war Filesharing noch lange nicht so ein großflächiges Problem wie heute. Rapidshare gabs da noch nicht und man mußte noch mit Kazaa oder eDonkey herunterladen, was aufgrund der schlechten Suche auch nicht im größeren Stil ging, wenn man es mit heute vergleicht, wo ich mit JDownloader und ein paar Blogs Terabyte Daten in kurzer Zeit saugen könnte.

Der dritte Grund ist die Dezentralisierung. Merchandise ist immer mehr gefragt und es werden auch vermehrt CDs von kleinen Bands ohne Label gekauft. Das fällt natürlich auch aus der Statistik raus. Man kann heutzutage relativ einfach gut produzierte Scheiben rausbringen, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. Das machen auch viele, grade weil die Bands ihre CDs bei Konzerten für wenig Geld anbieten. Dazu kommen Seiten wie Bandcamp. Ich glaube, die wirklichen Verlierer sind nur die großen Firmen.

Da sind wir dann beim Punkt. Es regen sich nur die großen auf. Die kleinen machen bei den Piraten mit. Das eigentliche Problem ist, daß kleine Labels und Bands schnell begriffen haben, wie sie ihre Einkünfte steigern können, wenn es ihnen nicht vielleicht nicht sowieso nur um eine möglichst große Reichweite geht. Die Verlierer sind die, die sowieso genug haben und womöglich noch Schott abliefern. Man sollte einfach diese natürliche Selektion (auch genannt Kapitalismus) weiter unterstützen. Eine umfassende GEMA-Reform wäre da nützlich. Moderne Technik könnte man auch gut einsetzen. Wenn die GEMA endlich mal schalten würde, hätten sie auch von Youtube zusätzliche Einnahmen. Die könnten sie auch direkt mittels automatischen Mechanismen den Bands zuordnen, die direkt entlohnt werden. So würde das viel mehr Sinn machen.

Im Endeffekt machen doch viele Bands schon vor, wie man das Internet nutzt. Stört Coldplay etwa das Filesharing ? Nö, die nutzen es. Sogar Lars Ulrich denkt da jetzt um. Nur die verstaubten Hirne im den Chefetagen kommen nicht klar. Dann haben sie aber Pech. Irgendwann wird aus den jetzigen Anfangsstadium eine neuartige Musikindustrie erwachsen, die die konventionell denkenden Firmen einfach überrollt. Und die werden dann wohl mehr Umsatz machen, als wir es uns jetzt vorstellen können. Die Computerspiele-Industrie macht es vor. Kleine, innovative Software-Buden machen ordentlich Kohle und überrollen verkrustete Strukturen. So ist es nunmal, genau das ist Kapitalismus.

Der eigene Media-Streaming-Server in 10 Minuten

Ab einem gewissen Bestand von CDs möchte man einfach nicht mehr CD-Wechsler spielen, sondern rippt einfach seine Sammlung auf die Festplatte und spielt die mp3s bequem ab. Die Vorteile liegen auf der Hand. Diese Vorteile möchte man natürlich auch auf Arbeit haben und so hab ich einfach Winamp Remote genutzt. Leider ist der Service sehr instabil und in mehr als der Hälfte aller Fälle ist der Remote Server zu Hause schon abgestürzt, bevor man auf Arbeit den Rechner angeschaltet hat. Also suchte ich nach einer Alternative. Etwas Recherche brachte dann aber eine einfache wie wirkungsvolle Methode. Dazu braucht man lediglich einen DynDNS-Zugang und den kostenlosen Apache-Webserver.

Zuerst legt man sich bei DynDNS.com einen Zugang zu. Man erstellt eine einfache Subdomain und installiert dann den DynDNS Updater und gibt seine Daten ein. Somit zeigt dann schon mal http://lommels-streaming-server.dyndns.com auf den eigenen Rechner zu Hause. Dann nimmt man einen TCP Port, den man nicht benutzt, z.B. 212 oder 1219 oder ab 49152. Welche frei sind sieht man wohl am einfachsten in der Portfreigabe der Firewall. Standartports wie 80 und 8080 sollte man nicht nutzen, denn ein ungewöhnlicher Port schützt auch vor ungebetenen Besuchern (und Skype verträgt sich nicht mit einem Apache auf Port 80). Deshalb sollte man die URL samt Port auch nicht weitergeben oder sogar irgendwo posten.

Jetzt installiert man den Apache Webserver am besten in Version 2.2. Nach der Installation gibts im Programmmenü auch einen Link zum editieren der httpd.conf-Datei. Dort setzt man die Zahl hinter Listen auf den selbstgewählten Port und paßt den Servername an:

Listen 212
ServerName lommels-streaming-server.dyndns.com:212

und hinter DocumentRoot kommt das mp3-Verzeichnis, am besten in Anführungsstriche. Dann sucht man noch eine Zeile, die mit “<Directory …>” anfängt. Dort muß auch nochtmal das mp3-Verzeichnis beim … hin und man schreibt noch “Options +Indexes” zwischen “<Directory” und “</Directory>”. Steht das “Options” schon da, hängt man “+Indexes” einfach hinten dran:

DocumentRoot "D:/pfad/zu/mp3/"
<Directory "D:/pfad/zu/mp3/">
 AllowOverride None
 Order allow,deny
 Allow from all

 AuthType Basic
 AuthName "Administrationsbereich"
 AuthUserFile D:/pfad/zu/.htpasswd
 require valid-user
</Directory>

Der Kenner sieht natürlich gleich, daß hier auch noch ein Passwort-File gesetzt wurde. Dazu hangelt man sich in der Eingabeaufforderung bis zum bin-Vereichnis der Apache-Installation und gibt dort folgendes ein:

htpasswd -c .htpasswd lommel

Dann gibt man natürlich anstatt lommel seinen gewünschten Usernamen und anschließend das Passwort ein. Dann kopiert man die .htpasswd in ein Verzeichnis, das nicht der DocumentRoot ist und pappt den Link in die httpd.conf-Datei. Wenn man alles richtig gemacht hat, läßt sich der Apache mittels dem Apache Monitor Tool neu starten und man sieht z.B. unter http://lommel:password@lommels-streaming-server.dyndns.com:212 sein mp3-Verzeichnis.

Jetzt muß man bloß noch eine Playlist erstellen. Dazu navigiert man mit dem Browser durch sein Verzeichnis und kopiert die Links zu den abzuspielenden mp3s in eine Text-Datei untereinander. Wenn man fertig ist, macht man aus der txt-Endung der Datei eine .m3u-Endung und schon kann der Winamp alles abspielen.

Es ist also alles relativ einfach und per PHP könnte man eine einfache GUI bauen. Aber das Firefox-Plugin Copy Links funktioniert auch ganz gut. Außerdem funktioniert das ganze höchstwahrscheinlich auch mit Videos super. Somit kann man seine peinlichen Urlaubsvideos bei Freunden zum besten geben, ohne sie dort auf die Platte ablegen zu müssen.

Wir sind Helden vs. BILD

Hab ich gelacht ! Aber ich will nichts groß sagen, lest selbst:

http://www.wirsindhelden.de/2011/02/warum-ihr-vielleicht-auch-hier-seid/#more-1079

Datenkraken lauern vor Caracas

Ha ! Mal wieder eine schöne reißerische Überschrift. Aber irgendwie erinnern mich die Debatten über Datensicherheit, soziale Netzwerke (ja, es gibt einen deutschen Begriff dafür), IP-Adressen und Kameraautos an diesen Film. Wer ihn nicht kennt, der Film (Bestien lauern vor Caracas) liegt irgendwo zwischen dem weißen Hai, Käptn Nemo und Gayniggers From Outer Space, quasi ein nicht-gruseliger Horrorfilm mit enormen Witzpotential aufgrund des thrashigen Inhalts und der grottigen Darstellung desselben.

Fangen wir also mal an, das ganze Thema polemisch und publikumswirksam auseinanderzunehmen. Da ist zum einen die Ursel. Da braucht man nicht sonderlich viel zu schreiben, alles ist hinlänglich bekannt und über das Stopschild habe ich sogar schon geblogt. Aber wir haben ja auch noch andere Leute, zum Beispiel unsere Justizministerin, Frau Läutkreuser-Schnakenburger oder so ähnlich. Für diese Dame ist personalisierte Werbung etwas gaaaanz furchtbares. Es gibt wohl nichts schlimmeres als wenn eine Firma in Internet Werbung an die Leute ausgibt, die es auch noch interessieren könnte ! Furchtbar ! Es ist mir auch schon oft passiert, daß mir Werbung ausgeliefert wurde, die mich wirklich interessierte und die mich zum kaufen animierte. Ihr glaub gar nicht, wie viele U-Boote bei mir im Garten stehen ! Es ist schon schlimm, daß skrupellose Firmen auf diese Weise versuchen, armen Bundesbürgern das sauer verdiente Geld aus der Tasche zu ziehen. Und die Pointe ? Die Frau ist in der FDP. Aber ich weiß ja jetzt bescheid und sollte es der Bäcker um die Ecke nochmal wagen zu sagen “Sie mögen doch Bienenstich, ich habe wieder welchen gebacken.” dann lasse ich ihn Abmahnen. Denn um genau diesen Fall geht es.

Es geht also um die alles entscheidende Frage nach unseren Daten, unseren persönlichen Daten, die jeder zu Hause sicher im Tresor hortet. Oder macht er das etwa nicht ? Das ist nämlich genau der Punkt. Seit der Facebook-Debatte boomt das Portal wie nie, seit zwei Monaten scheint sich die Nutzerzahl in Deutschland gefühlt um mehrere hundert Prozent gesteigert zu haben. Da stellen die Leute ihre Daten rein und wundern sich, wenn die irgendwer benutzt. Hallo ? Zum einen sind sie da selber Schuld, zum anderen stellt sich aber die Frage: Na und ? Was ist schlimm daran, wenn ich personalisierte Werbung bekomme ? Werbeagenturen sind im Vergleich zu so manchem selbsternannten Freiheitskämpfer gar nicht so doof. Werbung ist keine Hypnose, Werbung soll informieren und anregen. Wenn mir keine Milka schmeckt, dann kann mir die Firma so viele lila Kühe um die Ohren hauen, wie sie mag. Ich werde keine Milka kaufen. Wenn ein leicht beeinflußbarer Teenager sich eine Jacke von H&M kauft, dann nicht weil die Werbung vor Marienhof lief, sondern weil Katy Perry dort letztens in Berlin gesichtet wurde. Die einzigen, die durch Werbung direkt beeinflußbar sind, sind Vorschulkinder. Aber bei denen haben die Eltern das Geld und wenn die Eltern clever sind, schalten sie eh Kika und nicht Super RTL ein.

Also ist Werbung nicht böse ? Nicht jede Werbung. Nervige Flash-Popups, die rumtröten, wenn man ein IT-Forum aufmacht kann man getrost auf den Mond schießen. Aber das ist ja nicht personalisiert, sondern funktioniert analog dem Jagen mit der Schrotflinte: Einfach draufhalten, irgendwas trifft man schon. Clevere Werbung aber zeigt mir das, was ICH will. Zum Beispiel gibts das sogenannte Retargeting. Man legt sich im Quelle-Shop einen Pulli in den Warenkorb und wird dann regelmäßig mit Pulli-Angeboten von Quelle bombardiert. Schlimm, oder ? Aber wenn ich den nicht will und statt dessen den schöneren Pulli bei Otto gekauft hab, kann mir die Werbung gestohlen bleiben. Wenn ich aber nur deshalb nicht gekauft habe, weil plötzlich meine Schwiegermutter anrief und ich es deshalb vergaß, bin ich vielleicht jetzt froh über diese Erinnerung und kaufe gleich. Genau so funktioniert das nämlich. Wenn mich Amazon-Werbung bombardiert, klicke ich da eh nur, wenn es mich interessiert. Gut, vielleicht kauf ich mir dann ein Buch und habe dann kein Geld mehr für die neue Bon Jovi-CD, aber die hätten ja auch werben können. Im Endeffekt entscheidet jeder am Schluß doch selber, personalisierte Werbung ist nichts mehr wie der Tip eines Freundes oder der Bäcker, der weiß was seine Kunden mögen.

Etwas anderes ist viel interessanter. Die Mehrheit aller Personalchefs guckt sich die Facebook-, meinvz-, myspace- und andere Seiten von Bewerbern an. Auch Google bringt teilweise interessante Ergebnisse, von Personensuchmaschinen ganz zu schweigen. Schonmal überlegt, was passiert wenn man achtlos Bilder von sich veröffentlicht, wo man besoffen an ein Polizeiauto pinkelt ? Noch schlimmer, wenn das jemand anderes veröffentlicht. Da regt sich Sarah Connor über ein Nacktbild auf einem gestohlenen Laptop auf. Mein Gott, dann soll sie ihre Möpse halt nicht in die Kamera halten, oder ? Das ist aber nun nicht ganz so einfach. Ich weiß nicht wie die Millionen privater Nacktfotos ins Netz kommen, aber sicherlich nicht alle durch Eigeninitiative der dargestellten Person oder durch gestohlene Laptos. Auch durch den verletzten Ex-Freund, den Nachbar, der das ungesicherte WLAN entdeckt hat wäre es möglich. Meine (rein persönliche und nicht belegte) Vermutung ist es aber, daß ein nicht geringer Teil auch durch Viren möglich wäre. Ein Virus könnte sich festsetzen und auf dem Rechner gezielt nach Fotos suchen. Diese werden dann im Hintergrund an einen Server geschickt und dort automatisch ausgewertet. Somit hat man eine vorsortierte Datenbank von peinlichen oder Nacktfotos, die man auf entsprechenden Portalen verscherbeln kann. Für jemand, der sich mit Viren und Bildanalyse auskennt und keine Skrupel hat wäre das eine schnelle Geldquelle. Es ist also eben grade nicht so, daß man die Kontrolle hat. Im kleinen Bereich kennt man das aus den vergangenen Jahren noch mit ungebetenen Anrufen, wenn man in Telefonbuch steht.

Aber was macht man denn nun ? Mark Zuckerberg meinte mal, für ihn ist Privatsphäre ein Auslaufmodell. Damit hat er wahrscheinlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Konzept der Privatsphäre existiert ja im engeren Sinne noch gar nicht so lange. Privatsphäre war für den normalen Menschen ja erst durch bessere medizinische Versorgung und die entstandenen Sozialsysteme und die damit zusammenhängende fehlende Notwendigkeit für das bilden von zusammenhockenden Großfamilien möglich geworden. Die Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten trieb das weiter und nun geht es halt wieder etwas zurück. Aber wer halt nicht nackt am FKK-Strand rumhängt und seine Privatbilder auch auf dem Rechner gesichert speichert, der hat weiter seine Ruhe. Und doch wird das vielleicht irgendwann alles viel lockerer gesehen werden. Denn wenn der Personalchef selber fürchten muß, daß peinliche Bilder bei Facebook eingestellt werden, dann wird er das bei Bewerbern weniger wichten. Wenn jeder zweite Deutsche irgendwo nackich im Netz ist, wird sich auch Sarah Connor weniger aufregen. Die ganze Geschichte mit den Datenkraken wird dann irgendwann genau die Bedeutung haben, die sie auch wirklich verdient: eine geringe.

Hilfe für Neumetaller und Neuelektroniker

Du hast null Plan von der Materie, willst aber trotzdem beim Nature One oder Summer Breeze mitreden ? Dir kann geholfen werden ! Da haben wir für die Freunde der elektronischen Tanzmusik  Ishkur’s Guide to Electronic Music und für die Fraktion der harten Würste die Map of Metal. So, wehe ihr habt beim nächsten Mal immer noch keine Ahnung !

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